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12. Juli 2008

Kampagnenstreiche in Thüringen

Von Alexander Slonka

Gestern abend, 22.00 Uhr. Das Telefon im Kampagnenbüro klingelt. Ein Mann nuschelt unverständlich durch die Leitung. Er fragt Fabian unfreundlich, wie es denn stünde mit dem Volksbegehren? Erst 160.000 Unterschriften? Was man den ganzen Tag gemacht habe? Würde in Eisenach überhaupt noch gesammelt oder hinge man nur noch faul im Büro rum?

Fabian bleibt erst freundlich, beginnt dann aber mit Rechtfertigungen; das Sortieren der Listen sei nun auch viel Arbeit. Ein Moment ist Ruhe. Dann dröhnt Ralf-Uwes Lachen aus dem Hörer. Er freut sich diebisch, Fabian an seinem letzten Abend noch mal drangekriegt zu haben. Karolin, Fabian und ich beginnen umgehend Pläne für eine Retourkutsche zu schmieden.

 

Heute morgen, 9.00 Uhr. Alle wissen Bescheid. Außer (natürlich) Ralf-Uwe. Der kommt in Hochstimmung ins Büro. Eine große Regionalzeitung hat das Volksbegehren auf der Titelseite. Außerdem kommt gleich das Radio zu einem weiteren Interview. Karolin legt den Köder aus. "Übrigens, hast Du schon gehört? Die Berliner sind schon durch! Die haben ihre Unterschriften schon beisammen!" Ralf-Uwe stutzt und blickt Fabian fragend an, der eigentlich die kommende Woche in Berlin bei der Sammlung für das Berliner Wahlrechtsvolksbegehren helfen wollte. Fabian hakt ein: "Ja, ich komm dann am Montag aus Tübingen wieder und kann weiter hier mithelfen!". Ralf-Uwe lässt seinen markanten "JAAAAAA!"-Jubelschrei durchs Büro schallen und ballt die Fäuste. Fabian legt nach: "Ich hab heute morgen schon mit Olli aus Berlin telefoniert... der freut sich auch, dass wir Dich verarschen." Ralf Uwe schaut verständnislos; dann dämmert ihm langsam, dass er diesmal reingefallen ist. Am Ende lacht er mit und Fabian verabschiedet sich mit einem Unentschieden aus Eisenach. Viel Erfolg in Berlin!

 

Den Tag verbringe ich damit, Postwurfsendungen mit den Adressen von lokalen Eintragungsstellen zu stempeln und danach in den Wohngebieten auszutragen. Sicherlich keine spannende, aber eine sehr lohnende Arbeit. Wie schon am ersten Tag werde ich auch diesmal von zwei Mietern angesprochen, die den eingeworfenen Brief sofort öffnen, unterschreiben und die Bögen mir in die Hand drücken. Chinesisches Essen im Büro am Mittag; am Nachmittag helfe ich kurz beim Infostand am Eisenacher Markt, fahre noch ein paar Briefe aus, sortiere Listen im Büro und dann ist der Tag auch schon wieder vorbei. Schnell vergehen die Tage hier in Thüringen. Und noch so viele Unterschriften sind zu sammeln. Nur, wenn alle Sammler weiter ihr Bestes geben, wird die Hürde von 200.000 Unterschriften zu knacken sein!


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